Parliament / Business / 26.3790
Was unternimmt der Bundesrat, um der sinkenden Fruchtbarkeit in der Schweiz entgegenzuwirken?
submitted on 18.06.2026 in the Sommersession 2026First chamber: National CouncilStellungnahme zum Vorstoss liegt vor (26.08.2026)
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Submitted text
In der Schweiz lässt sich sowohl bei Frauen als auch bei Männern eine Abnahme der Fruchtbarkeit beobachten. Die Anzahl der betroffenen Paare ist zwischen 2002 und 2010 stark angestiegen – so lautet die Antwort des Bundesrates auf mein Postulat 24.4689. Es werden jedoch keine systematischen Daten zur Unfruchtbarkeit erhoben.
In einer Reportage vom 12. November 2025 verweist das SRF auf eine Studie der Universität Genf (Rahban et al. 2019), die auf die schlechte Spermienqualität bei Männern in der Schweiz hinweist und aufzeigt, dass diese je nach Region variiert: In ländlichen Gebieten ist die Spermienqualität schlechter als in städtischen Gebieten.
• In seiner Antwort auf mein Postulat weist der Bundesrat darauf hin, dass er bereits heute in seinem Zuständigkeitsbereich Massnahmen zur Verminderung von Infertilität umsetze. Um welche Massnahmen handelt es sich dabei? Wie wurde die Wirksamkeit dieser Massnahmen bewertet?
• Aus Sicht des Bundesrates wäre eine retrospektive Analyse aufgrund fehlender Studien und Daten nicht aussagekräftig. Dennoch hat er darauf verzichtet, die Schweizer Gesundheitsstudie (nationales Human-Biomonitoring-Projekt) weiterzuführen. Ist er auch der Meinung, dass ein Human-Biomonitoring-Projekt, wie es die Nachbarländer seit Jahren durchführen, mehr Klarheit über die umweltbedingten Ursachen der sinkenden Fruchtbarkeit schaffen und fundiertere Entscheidungen ermöglichen könnte? Was sieht der Bundesrat vor, um künftig über mehr Daten zu verfügen?
• Die Ergebnisse der Studie der Universität Genf lassen vermuten, dass die Exposition gegenüber problematischen Substanzen eine der Ursachen für die schlechte Spermienqualität ist. Was weiss man über den Einfluss solcher Substanzen auf die Fruchtbarkeit der Frauen?
• Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat Trifluoressigsäure (TFA) kürzlich als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B) eingestuft. Diese zählt zu den per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) und tritt flächendeckend im Grundwasser auf. Beabsichtigt der Bundesrat, Massnahmen zu ergreifen, um die PFAS-Emissionen so schnell wie möglich an der Quelle zu reduzieren? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht? Mit welchen Massnahmen will der Bundesrat die Belastung der Bevölkerung durch Stoffe, welche die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, begrenzen?
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The Federal Council's opinion
1. Die Ursachen von Unfruchtbarkeit sind noch nicht eindeutig geklärt, doch verschiedene Faktoren wie das Alter, Chemikalien in der Umwelt und der Lebensstil können dazu beitragen. Die Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie: www.bag.admin.ch > Politik & Gesetze > Nationale Gesundheitspolitik > Gesundheitspolitische Strategien > Nationale Gesundheitsstrategien > Nichtübertragbare Krankheiten) befasst sich mit den lebensstilbedingten Schutz- und Risikofaktoren (unausgewogene Ernährung, Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel), die bei zahlreichen nichtübertragbaren Krankheiten und möglicherweise auch bei der Fruchtbarkeit eine Rolle spielen. Sie konzentriert sich jedoch nicht auf spezifische Krankheiten und enthält daher keine gezielten Massnahmen zur Prävention von Unfruchtbarkeit. Im Bereich der Chemikalien werden regelmässig Stoffe als endokrine Disruptoren identifiziert und in Anhang 3 der Chemikalienverordnung (ChemV; SR 813.11) aufgenommen. Die Verwendung der betroffenen Stoffe und Zubereitungen ist daher reglementiert oder limitiert, und die Produkte, die sie enthalten, müssen entsprechend gekennzeichnet werden, was den Nutzenden ihre Identifizierung erleichtert.
Die Wirksamkeit dieser verschiedenen Massnahmen lässt sich nicht quantifizieren, aber der Bundesrat ist überzeugt, dass sie langfristig der Bevölkerung zugutekommen.
2. Das Projekt für eine Schweizer Gesundheitsstudie hätte eine nationale Kohorte mit einem Human-Biomonitoring-Programm verknüpft, was unter anderem ermöglicht hätte, die Entwicklung der Unfruchtbarkeit im Laufe der Zeit zu verfolgen und potenzielle Zusammenhänge mit der Exposition gegenüber Chemikalien und/oder bestimmten Lebensstilen zu beobachten. Aufgrund des Postulats 22.4585 Moser erarbeitet das UVEK derzeit mit dem EDI und dem WBF einen «Aktionsplan zur Reduktion der Belastung von Mensch und Umwelt durch langlebige Chemikalien und insbesondere per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)». In diesem Rahmen ist zu prüfen, ob ein spezifisch auf PFAS ausgerichtetes HBM-Programm mit den vorhandenen finanziellen Mitteln umsetzbar ist. Da bestimmte PFAS (inkl. Trifluoressigsäure (TFA), vgl. Punkt 4) reproduktionstoxische Eigenschaften aufweisen, könnten diese Daten auch dazu beitragen, den diesbezüglichen Wissensstand zu verbessern.
3. Es gibt leider nur wenige Studien zur Fruchtbarkeit in der Allgemeinbevölkerung, und diese beziehen sich ausschliesslich auf die Spermienqualität, da andere Untersuchungen, insbesondere zur weiblichen Fruchtbarkeit, eher invasive Methoden erfordern. Die Fruchtbarkeit der Frau wird daher in der Regel nur abgeklärt, wenn ein Paar einen Kinderwunsch hat. Daten aus verschiedenen Ländern deuten darauf hin, dass die Inzidenz von Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane zunimmt (polyzystisches Ovarialsyndrom, Endometriose usw.), aber in der Schweiz werden diese Daten nicht erhoben (Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2023. Infertility prevalence estimates, 1990–2021). Einige wissenschaftliche Studien deuten auf eine potenzielle Korrelation dieser Erkrankungen mit der Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien hin, aber der Nachweis eines eindeutigen Kausalzusammenhangs ist sehr komplex (z. B. F.L. Joos et al., 2026. Bisphenol TMC exhibits greater estrogenic activity than Bisphenol A and three other structural analogues exemplified by higher estrogen receptor α-mediated gene expression and breast cancer cell proliferation).
4. Die Einstufung von TFA als «wahrscheinlich reproduktionstoxisch» durch die ECHA ist ein wichtiges wissenschaftliches Signal. Sie muss noch von der Europäischen Kommission im Rahmen der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen formell verabschiedet werden, um in der EU rechtsverbindlich zu werden. Es müssen in der EU und in der Schweiz noch verschiedene Evaluationen durchgeführt werden, um die Möglichkeiten zur Festlegung einer zulässigen Höchstkonzentration von TFA im Trinkwasser, zur Anpassung der Zulassungen bestimmter Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln oder zur Einführung künftiger Beschränkungen für andere Quellen zu prüfen. Zudem ist derzeit eine europäische Verordnung über alle PFAS in Vorbereitung. Diese umfasst zahlreiche Beschränkungen, die den Einsatz und die Emissionen dieser Stoffe an der Quelle erheblich reduzieren werden. Der Bundesrat wird die Übernahme dieser neuen Beschränkungen in das Schweizer Recht prüfen. Überdies verfolgt der Bundesrat mit der Ausarbeitung des «Aktionsplans zur Reduktion der Belastung von Mensch und Umwelt durch langlebige Chemikalien und insbesondere per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)» im Rahmen der Umsetzung des Postulats 22.4585 Moser einen proaktiven und eigenständigen Ansatz, bei dem er mit den Kantonen konkrete und koordinierte Massnahmen zur Bewältigung der Problematik mit diesen langlebigen Schadstoffen entwickelt.
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Source: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, retrieved 18.09.2026. Raw data
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