Parliament / Business / 26.3943
Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Sozialpolitik
submitted on 19.06.2026 in the Sommersession 2026First chamber: National CouncilStellungnahme zum Vorstoss liegt vor (26.08.2026)
Through the chambers
The chambers' and committees' decisions, in the Parliamentary Services' words.
No decision by a chamber or a committee yet.
Submitted text
Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:
1. Wo wird künstliche Intelligenz derzeit und in naher Zukunft in der öffentlichen Verwaltung,
Gesundheitswesen, Justiz eingesetzt? Wie hoch sind die erzielten Zeit- und Kosteneinsparungen?
2. Welche Auswirkungen hätte die zunehmende Ersetzung menschlicher Arbeit durch Technologie unter
Berücksichtigung der erwarteten Lohnersparnisse auf die Steuereinnahmen des Bundes von juristischen
und natürlichen Personen?
3. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um Personen umzuschulen, die aufgrund von KI ihren Arbeitsplatz
verlieren werden oder deren Qualifikationen auf dem sich rasch verändernden Arbeitsmarkt veraltet sind?
4. Um wie viel sind die Produktivität und das Bruttoinlandsprodukt in den letzten 10 Jahren durch den Einsatz von Automatisierung in der Wirtschaft und in jüngerer Zeit durch künstliche Intelligenz gestiegen und hat sich der Wohlstand der Bevölkerung dadurch erhöht?
This text exists only in German.
Reasons
Die künstliche Intelligenz hat sich seit ihrer Einführung rasant weiterentwickelt.
Zweifellos sind Technologien ein wichtiges Gut. Zusammen mit der Robotisierung und der Digitalisierung verspricht sie mehr Produktivität und Effizienz im öffentlichen und privaten Bereich. Der Aspekt der Ethik, Datenschutz und Transparenz sind für den Schutz aller gleichermaßen von grundlegender Bedeutung. Die Vervielfachung der Bedürfnisse unterschiedlicher Art setzt fast automatisch eine spezifische Qualifikation voraus, die sowohl auf dem öffentlichen als auch auf dem privaten Arbeitsmarkt gefordert wird. Um den Anforderungen des Arbeitsmarktes bestmöglich gerecht zu werden, sind ständige Weiterbildung, Umschulung für Bürger, die wettbewerbsfähig und selbständig bleiben wollen, unerlässlich.
Aus aktuellen Nachrichten und Studien zur künstlichen Intelligenz lässt sich folgende Entwicklung ableiten: Das Verschwinden einiger Berufe, die durch eine Kombination aus Robotisierung, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz ersetzt werden. Es ist noch nicht klar, wie die neuen Berufe aussehen werden, wie ihre Ausbildung finanziert wird und wie hoch die Gehälter sein werden.
This text exists only in German.
The Federal Council's opinion
• In der öffentlichen Verwaltung kann künstliche Intelligenz (KI) in einer Vielzahl von Anwendungsbereichen genutzt werden. Das Kompetenznetzwerk für KI führt eine aktuelle Liste ohne Meldepflicht von KI-Projekten in der Bundesverwaltung (vgl. www.bk.admin.ch > Digitale Transformation und IKT-Lenkung > Künstliche Intelligenz > Projekte). In Erfüllung des Postulats 24.3582 Silberschmidt bereitet der Bundesrat zudem einen Bericht zur Effizienzsteigerung von Verwaltungsprozessen durch KI und Prozessautomatisierung vor. Im Gesundheitswesen wird KI bspw. bei administrativen Tätigkeiten, in der Justiz bei der juristischen Recherche und Analyse eingesetzt. International zeigen Studien, dass KI bei spezifischen Tätigkeiten zu einer signifikanten Reduktion des Zeitaufwands führen kann.
• KI kann die Produktivität in der Wirtschaft steigern und damit grundsätzlich auch die Steuereinnahmen erhöhen. Verschiebungen zwischen Kapital- und Arbeitseinkommen oder Veränderungen der Lohnverteilung sind denkbar. Sollten solche Entwicklungen auftreten, können sie die Steuerbasis beeinflussen. Eine Verlagerung von Arbeits- zu Kapitaleinkommen würde die Steuereinnahmen nicht grundlegend in Frage stellen, da das Steuersystem grundsätzlich sowohl Arbeits- als auch Kapitaleinkommen erfasst. (vgl. Stellungnahme des Bundesrates zum Postulat 26.3003 der WAK-N und Bericht in Erfüllung des Postulats 23.3752 Walti).
• Die berufsorientierte Weiterbildung spielt für den Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit eine zentrale Rolle. Diese liegt primär in der individuellen Verantwortung, wird aber sehr häufig durch Arbeitgebende unterstützt. Die Bildungsinhalte werden oft von Organisationen der Arbeitswelt mitgestaltet, wodurch die Angebote gut auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt sind. Die Weiterbildungsbeteiligung in der Schweiz ist europaweit eine der höchsten, was zur hohen Anpassungsfähigkeit des Schweizer Arbeitsmarktes beiträgt. Im Falle von Arbeitslosigkeit kann die Arbeitslosenversicherung Aus- und Weiterbildungen als arbeitsmarktliche Massnahmen unterstützen. Diese werden laufend an Veränderungen des Arbeitsmarktes, bspw. aufgrund von KI, angepasst. Im Rahmen des Projekts «Attraktivität der Berufsbildung» des SBFI werden neben anderen Handlungsfeldern die Auswirkungen von KI auf die Berufsbildung untersucht.
• Die Schweizer Wirtschaft verzeichnete in den letzten 10 Jahren ein robustes Produktivitätswachstum und entwickelte sich dynamischer als die meisten hochentwickelten Volkswirtschaften. Der Beitrag von Automatisierung und KI zu dieser Entwicklung lässt sich nicht genau beziffern. Internationale Studien zeigen für die Vergangenheit messbare Effekte der Automatisierung auf das Produktivitätswachstum. KI bringt bisher vor allem bei einzelnen Tätigkeiten Effizienzgewinne; gesamtwirtschaftliche Effekte sind noch kaum nachweisbar. Die OECD erwartet allerdings künftig deutliche Produktivitäts- und Wohlstandsgewinne durch KI (vgl. z. B. «Miracle or Myth? Assessing the macroeconomic productivity gains from Artificial Intelligence»; «AI meets trade. Global linkages and the cross-country distribution of the gains from AI»).
This text exists only in German.
Source: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, retrieved 18.09.2026. Raw data
Not an official publication. Names, figures and the texts of the votes appear unchanged, exactly as the Parliamentary Services publish them.
