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Parliament / Business / 26.3983

26.3983InterpellationEDIpending

Der Maskulinismus nimmt in der Schweiz rasant zu. Wann wird endlich Alarm geschlagen und gehandelt?

submitted on 19.06.2026 in the Sommersession 2026First chamber: National CouncilStellungnahme zum Vorstoss liegt vor (19.08.2026)

Soziale FragenBildungMedien und Kommunikation

The chambers' and committees' decisions, in the Parliamentary Services' words.

No decision by a chamber or a committee yet.

Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:

• Sollte der Bundesrat angesichts der Ergebnisse der Studie der Universität Zürich die Bedrohung durch den Maskulinismus nicht als Missstand von nationaler Dringlichkeit betrachten?

• Wird der Bundesrat sofort Massnahmen ergreifen, ohne die Antwort auf das Postulat 25.4842 abzuwarten, um die Ausbreitung des Maskulinismus zu stoppen?

• Wie wird der Bundesrat vorgehen, um a) einschlägige Netzwerke zu identifizieren und zu zerschlagen und b) die Verbreitung maskulinistischer Inhalte im Internet, die das Männlichkeitsbild junger Menschen verändern, zu kontrollieren und zu stoppen?

• Steht der Bundesrat mit den Kantonen in Kontakt, um spezifische Massnahmen im Bildungsbereich während der Schulpflicht zu stärken, wie es die Studie empfiehlt?

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Die Universität Zürich hat kürzlich eine Studie zum Maskulinismus in der Schweiz veröffentlicht, deren Ergebnisse äusserst besorgniserregend sind. Die Identifikation mit maskulinistischen Ideen ist ein signifikanter Prädiktor für Gewalt im öffentlichen Raum, im Bildungswesen und in Paarbeziehungen. Der Studie zufolge sind Feindseligkeiten gegenüber Frauen und LGBT+-Personen mittlerweile in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen am stärksten verbreitet: Ein Drittel der jungen Männer vertritt nachdrücklich eine maskulinistische Weltanschauung und neigt dazu, verwerfliche Verhaltensweisen an den Tag zu legen (Gewalt, Hassrede, Diskriminierung, Radikalisierung). Die Art der Ausbildung spielt eine Rolle: Bei Personen mit einer Berufslehre steigt dieser Anteil auf 47 Prozent. Zudem führt der Konsum von maskulinistischen Inhalten im Internet zu einer deutlich stärkeren Identifikation mit dem Maskulinismus.

Das Hinterfragen dieser toxischen Auffassung von Männlichkeit birgt ein immenses Potenzial, wenn es darum geht, Gewalt zu reduzieren. Der Studie zufolge ist es notwendig, bereits im Schulalter und bei Jugendlichen Massnahmen zu ergreifen, um das Risiko der Entwicklung maskulinistischer Einstellungen zu verringern. Es ist von grundlegender Bedeutung, die Chancengleichheit stärker zu fördern, die Mittel für die Gewaltprävention aufzustocken und junge Männer zu begleiten, die sich von maskulinistischer Ideologie angezogen fühlen.

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1./2. Der Bundesrat ist wie in seiner Stellungnahme zum Postulat Hässig Patrick 25.4842 «Vermin­de­rung der Gewalt an Frauen durch ganzheitliche Lösungsansätze» dargelegt, besorgt über die Verbreitung von gewaltbegünstigenden Männlichkeits­einstellungen und über deren Aus­wirkungen auf die geschlechtsspezifischen sozialen Beziehungen. Die Problematik ist hinge­gen erkannt und es werden im Rahmen des aktuellen Na­tionalen Aktionsplans gegen Radika­lisierung und gewalttätigen Extremismus bereits Massnahmen umgesetzt (www.fedpol.admin.ch  Terrorismus  NAP: Unterstützte Projekte).

Die neue nationale Strategie gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Ge­walt, die aktuell von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden unter Mitwirkung der Zivilge­sell­schaft erarbeitet wird und Anfang 2027 vom Bundesrat verabschiedet werden soll, sieht ebenfalls eine Verstärkung der Prävention von gewaltbegünstigenden Männlichkeitsvor­stel­lungen vor. Im Rahmen dieser Strategie soll auch das Postulat 25.4842 umgesetzt werden, dies unter Einbezug der relevanten Akteure. Weitere bzw. dringliche Massnahmen sind derzeit nicht vorgesehen.

3. Die vom Interpellanten angesprochene Thematik ist bereits Bestandteil des erwähnten Aktionsplans gegen Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus. Im Weiteren verweist der Bundesrat auf die laufenden Arbeiten zum Bundesgesetz über Kommunikationsplatt­formen und Suchmaschinen (KomPG).

4. Im Rahmen ihrer Zuständigkeiten sorgen Bund und Kantone gemeinsam für eine hohe Qualität und Durchlässigkeit des Bildungsraumes Schweiz (Art. 61a Abs. 1 BV) und tauschen sich regelmässig über systemrelevante Fragen aus. Die obligatorische Schule fällt tatsächlich in die Zuständigkeit der Kantone (Art. 62 Abs. 1 BV). Das Erlernen des Zusammenlebens und des Respekts gegenüber anderen ist Bestandteil der drei regionalen Lehrpläne. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) hat zudem eine Sammlung der Ressourcen der Kantone zu Krisensituationen in der Schule, darunter Mobbing, körperliche Gewalt, sexuelle Übergriffe und Radikalisierung, zusammengestellt (www.edudoc.ch/?ln=de > Krisensituationen in der Schule : Materialiensammlung der Kantone : Stand Mai 2025). Auch im Rahmen der Erarbeitung der Nationalen Strategie gegen häusliche, sexualisierte und geschlechts­bezogene Gewalt besteht der Kontakt zu den relevanten interkantonalen Konferenzen. In Bezug auf die frühe Prävention an Schulen wird insbesondere die Weiterentwicklung der Massnahme 11 des Nationalen Aktionsplans der Schweiz zur Umsetzung der Istanbul-Konvention 2022-2026 geprüft (www.gleichstellung2030.ch > Aktionsplan > 3.1. NAP IK : Schwerpunkt I. Information und Sensibilisierung der Bevölkerung > Massnahme 11: Förderung von Projekten zu Gewaltlosigkeit und Gleichstellung von Mädchen und Jungen in der Schule sowie zur gewaltfreien Erziehung in der Familie).

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Source: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, retrieved 18.09.2026. Raw data

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