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26.3695InterpellationWBFoffen

Berufsbildung als Ort der Gewaltprävention. Wie stärkt der Bund Beziehungskompetenz und Gleichstellung bei jungen Männern?

eingereicht am 17.06.2026 in der Sommersession 2026Erstrat: NationalratStellungnahme zum Vorstoss liegt vor (26.08.2026)

Soziale FragenBildung

Die Beschlüsse der Räte und Kommissionen, im Wortlaut der Parlamentsdienste.

Noch kein Beschluss eines Rates oder einer Kommission.

Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

• Wie beurteilt er den Befund, dass junge Männer mit Berufslehre besonders häufig hohe Werte beim «Faktor M» aufweisen?

• Welche Möglichkeiten sieht er, im Rahmen der Verbundpartnerschaft mit Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt geschlechterreflektierte Gewaltprävention, Beziehungskompetenz, Konfliktfähigkeit und Medienkompetenz in der Berufsbildung zu stärken?

• Prüft er, entsprechende Inhalte im allgemeinbildenden Unterricht, in überbetrieblichen Kursen oder in Programmen der Lehrbetriebe stärker zu verankern?

• Welche Rolle können bestehende Instrumente des SBFI, insbesondere Projektförderung, Qualitätsentwicklung und Berufsbildungsstrategie, spielen?

• Ist er bereit, Pilotprojekte in der Berufsbildung zu unterstützen und evaluieren zu lassen?

Die berufliche Grundbildung begleitet junge Menschen in einer prägenden Lebensphase: beim Übergang ins Erwachsenenleben, in die Arbeitswelt und in neue soziale Rollen. Sie ist deshalb nicht nur ein Ort der fachlichen Qualifikation, sondern auch ein Ort, an dem soziale Kompetenzen, Konfliktfähigkeit, Beziehungsgestaltung und Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden können.

Die Studie «Männlichkeit im Wandel» der Universität Zürich mit männer.ch zeigt, dass junge Männer mit Berufslehre besonders häufig hohe Werte beim sogenannten «Faktor M» aufweisen. Dieser umfasst Gewaltakzeptanz, Dominanzansprüche, Misogynie, Queerfeindlichkeit und die Abwehr von Gleichstellung. Bei den 18- bis 24-jährigen Männern mit Berufslehre gehört gemäss Studie fast jeder Zweite zur High-Score-Gruppe. Das ist aus Sicht der Gewaltprävention, der Gleichstellung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts besorgniserregend.

Diese Befunde dürfen nicht zu einer Stigmatisierung von Lernenden oder der Berufsbildung führen. Im Gegenteil: Sie zeigen, wie wichtig es ist, junge Männer dort zu erreichen, wo sie sich im Alltag befinden: in Berufsfachschulen, Lehrbetrieben und überbetrieblichen Kursen. Die Berufsbildung bietet die Chance, junge Menschen praxisnah zu unterstützen: im Umgang mit Frustration und Ablehnung, in der gewaltfreien Lösung von Konflikten, in der Reflexion von Geschlechterrollen und im kritischen Umgang mit digitalen Männlichkeitsnarrativen.

1. Der Bundesrat nimmt die Befunde ernst. Gleichzeitig ist es ihm wichtig, dass daraus keine Stigmatisierung von Lernenden oder der beruflichen Grundbildung abgeleitet wird. Die Studie «Männlichkeit im Wandel» der Universität Zürich zeigt Zusammenhänge, keine Kausalität; soziale, biografische und weitere Faktoren sind mitzuberücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist auch der beobachtete Rückgang der Werte im Altersverlauf einzuordnen. Dass die High-Score-Gruppe beim «Faktor M» bei Männern mit Berufslehre von 47 Prozent (18–24 Jahre) auf 24 Prozent (55–64 Jahre) sinkt, kann auch auf die Bedeutung der Berufsbildung als Sozialisationsraum sowie prägende Übergangsphase ins Erwachsenen- und Erwerbsleben hinweisen.

2. Die Berufsbildung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt. Allfällige Massnahmen sind verbundpartnerschaftlich zu entwickeln. Potenzial besteht darin, die drei Lernorte – Betrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse – zu nutzen. An diesen drei Lernorten können in unterschiedlicher Art und Weise Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Gleichstellung, Rollenbilder, Teamarbeit, Verantwortung und der kritische Umgang mit digitalen Inhalten vermittelt werden.

3. Eine besondere Bedeutung hat der allgemeinbildende Unterricht. Er ist obligatorisch und bietet bereits heute einen geeigneten Rahmen, um Geschlechterrollen, Gleichstellung, respektvolle Beziehungen, gewaltfreie Konfliktlösung, gesellschaftliche Verantwortung und Medienkompetenz lebensweltgerecht zu behandeln. Der Bundesrat sieht zurzeit keinen Bedarf, neue verbindliche Spezialinhalte vorzuschreiben.

4./5. Im Rahmen der Projektförderung gemäss Berufsbildungsgesetz können Kantone, Organisationen der Arbeitswelt und Dritte entsprechende Projekte einreichen. Über eine allfällige Evaluation wird im Einzelfall entschieden.

Quelle: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, abgerufen am 18.09.2026. Rohdaten

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