Parlament / Geschäfte / 26.4339

26.4339InterpellationWBFoffen

Arbeitslosigkeit bei älteren Personen: Zieht sich der Bund im denkbar ungünstigsten Moment zurück?

eingereicht am 30.09.2026 in der Herbstsession 2026Erstrat: NationalratEingereicht (30.09.2026)

Soziale FragenBeschäftigung und Arbeit

Die Beschlüsse der Räte und Kommissionen, im Wortlaut der Parlamentsdienste.

Noch kein Beschluss eines Rates oder einer Kommission.

Zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 wurden zwei zentrale Massnahmen des Bundes zur beruflichen Wiedereingliederung von Personen ab 50 Jahren beendet: Bei Viamia (berufliche Standortbestimmung ab 40 Jahren) ging die Finanzierung per 1. Januar 2026 auf die Kantone über; das Impulsprogramm 2020–2026 mit 35 Projekten in 22 Kantonen wurde abgeschlossen, die Evaluationen wurden am 17. Februar 2026 veröffentlicht. Die Arbeitslosigkeit bei den 50- bis 64-Jährigen nimmt stärker zu als die Arbeitslosigkeit insgesamt. Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

• Hat der Bundesrat einen Überblick darüber, wie Viamia von den Kantonen weitergeführt wird? Stellt er Unterschiede bei der Verfügbarkeit fest?

• Erwägt er Massnahmen, um die schweizweite Verfügbarkeit von Viamia sicherzustellen?

• Welche Ansätze aus dem Impulsprogramm will er weiterführen, nach welchem Zeitplan und mit welcher Finanzierung, einschliesslich jener aus dem Pilotversuch «Supported Employment»?

• Einarbeitungszuschüsse decken während sechs Monaten bis zu 60 Prozent des Lohns einer eingestellten älteren Person. Dieses Instrument ist bei den Arbeitgebern jedoch wenig bekannt. Was will der Bundesrat tun, um es bei den kleinen und mittleren Unternehmen bekannter zu machen?

• Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat bereits punktuell untersucht, wie sich die Situation von Personen nach ihrer Aussteuerung entwickelt. Ist der Bundesrat bereit, auf dieser Grundlage einen dauerhaften Indikator für Personen ab 50 Jahren einzuführen und jährlich zu veröffentlichen?

Die Schweiz weist bei den 55- bis 64-Jährigen eine der weltweit höchsten Erwerbsquoten auf; 2024 lag sie laut dem BFS bei 77,8 Prozent. Dieses Ergebnis ist jedoch irreführend: Es erfasst Personen, die erwerbstätig geblieben sind, nicht aber jene, die wieder eine Stelle finden mussten. Seit April 2026 steigt die Arbeitslosigkeit bei den 50- bis 64-Jährigen jeden Monat stärker als die Arbeitslosigkeit insgesamt. Im Juli betrug die Differenz gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft 0,9 Prozentpunkte. Die Schwierigkeiten bei der beruflichen Wiedereingliederung haben konkrete Folgen: Jedes Jahr werden 25 000 Personen aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert, wobei das Risiko einer Aussteuerung bei den 55- bis 64-Jährigen am höchsten ist. Zudem ist jede sechste Anmeldung bei der Sozialhilfe eine direkte Folge einer Aussteuerung. Eine Untersuchung des BFS zeigt, dass zwei Drittel der Personen fünf Jahre später wieder eine Stelle gefunden haben. Diese ermutigende Zahl ist jedoch nur eine Momentaufnahme: Es gibt keinen dauerhaften Indikator, anhand dessen das Parlament die Entwicklung Jahr für Jahr verfolgen kann.

Quelle: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, abgerufen am 27.10.2026. Rohdaten

Keine amtliche Veröffentlichung. Namen, Zahlen und die Texte der Abstimmungen stehen unverändert so, wie die Parlamentsdienste sie veröffentlichen.