Parlament / Geschäfte / 26.4429
Unsere Kulturgüter vor den heutigen Bedrohungen schützen
eingereicht am 01.10.2026 in der Herbstsession 2026Erstrat: NationalratEingereicht (01.10.2026)
Weg durch die Räte
Die Beschlüsse der Räte und Kommissionen, im Wortlaut der Parlamentsdienste.
Noch kein Beschluss eines Rates oder einer Kommission.
Eingereichter Text
Der Bundesrat wird beauftragt,
• nach dem Vorbild des KGS-Inventars ein nationales Inventar der Sammlungen erstellen zu lassen, das auf präventive Konservierung ausgerichtet ist und Angaben zum Erhaltungszustand, zu den Bedingungen und Standorten der Depots sowie zur Gefährdung (Klimawandel/Naturgefahren/geopolitische und sicherheitspolitische Bedrohungen) enthält, und dessen Finanzierung sicherzustellen;
• die ersten Ergebnisse in die Kulturbotschaft 2029–2032 aufzunehmen und darin die erforderlichen Mittel vorzusehen, wobei zu unterscheiden ist zwischen a) Präventivmassnahmen (Depotbedingungen/Überwachung/Präventive Konservierung) und b) Vorbereitung auf Notfälle (Notfallkonzepte/Ausrüstung/Schulung/Koordination mit dem Kulturgüterschutz).
Begründung
Kulturgüter sind mehr als ein Erbe: Sie sind unersetzlich, sie stiften gemeinsame Identität und geteilte Werte und tragen zur Resilienz des Landes bei. Sie geben das Gedächtnis der Generationen weiter, bieten kulturelle Verankerung und Orientierungspunkte. In Krisenzeiten gewinnt die Kultur wieder an Bedeutung: Geschichte und Werte verbinden uns. Museen gelten gleich nach dem eigenen Umfeld als die zuverlässigste Informationsquelle und tragen zum Zusammenhalt und zur Sicherheit des Landes bei.
Museen werden dadurch auch zu Angriffszielen. In der Ukraine wird durch den Krieg Kulturerbe zerstört und geplündert; der Krieg bedroht die Identität des Landes. Mit der Vernichtung werden Beweise beseitigt: Wenn die Originale verschwinden, steht einer Umschreibung der Geschichte nichts mehr im Wege.
Gleichzeitig sind Millionen von Sammlungsobjekten in schlecht klimatisierten oder unsicheren Lagern durch Naturkatastrophen und Materialverfall bedroht.
Das KGS-Inventar, das derzeit überarbeitet wird, gewährleistet den Schutz bei bewaffneten Konflikten, enthält jedoch weder Angaben zum Zustand der Sammlungen noch zu klimatischen oder sicherheitsrelevanten Risiken. Daher braucht es ein ergänzendes Inventar, das den Schwerpunkt auf die Prävention legt.
In seiner Antwort auf die Ip. 26.3208 erwähnt der Bundesrat das bauliche Erbe, räumt jedoch ein, dass ihm keine Daten zu gefährdeten Objekten vorliegen.
Mit der Motion können diese Daten sowie die Mittel für Prävention und Notfälle in die Kulturbotschaft aufgenommen werden. Das Po. 23.3741 betrifft den Erhalt der Kulturgüter, nicht den Zustand der Sammlungen.
Kultur ist Sache des Bundes. Investitionen in Daten und Prävention ermöglichen es, Prioritäten zu setzen, und sind weitaus kostengünstiger als spätere Restaurierungen. Indem wir unsere Kulturgüter erhalten, verhindern wir, dass uns eine andere Geschichte aufgezwungen wird.
Quelle: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, abgerufen am 21.10.2026. Rohdaten
Keine amtliche Veröffentlichung. Namen, Zahlen und die Texte der Abstimmungen stehen unverändert so, wie die Parlamentsdienste sie veröffentlichen.
