Parlament / Geschäfte / 26.4445
Kostenlose Verhütung für alle statt Flickenteppich
eingereicht am 01.10.2026 in der Herbstsession 2026Erstrat: NationalratEingereicht (01.10.2026)
Weg durch die Räte
Die Beschlüsse der Räte und Kommissionen, im Wortlaut der Parlamentsdienste.
Noch kein Beschluss eines Rates oder einer Kommission.
Eingereichter Text
Der Bundesrat wird beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, damit alle Menschen in der Schweiz kostenlosen Zugang zu allen als wirksam anerkannten Verhütungsmethoden erhalten, namentlich zu Kondomen, Pille, Notfallverhütung, Implantaten, Pflastern, Vaginalringen und Spiralen.
Die Kosten werden von der öffentlichen Hand getragen. Die Abgabe erfolgt niederschwellig, namentlich über Apotheken, ärztliche Praxen und Fachstellen für sexuelle Gesundheit.
Begründung
Verhütung ist eine Voraussetzung für sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung. Die Kosten dafür tragen heute fast ausschliesslich Frauen: Eine Hormonspirale oder ein Implantat kostet bis zu 400 Franken, die Pille bezahlen sie über Jahrzehnte selbst. Wer wenig Geld hat, verzichtet auf sichere Methoden. Kondome schützen zudem vor sexuell übertragbaren Infektionen.
Das Parlament hat die Aufnahme der Verhütung in die Grundversicherung mehrfach abgelehnt, zuletzt im März 2025 die Standesinitiative des Kantons Genf, mit dem Argument, Verhütung sei weder Krankheit noch Mutterschaft. Diese Motion nimmt das auf: Die Finanzierung erfolgt ausserhalb der Prämien, als Aufgabe der öffentlichen Gesundheit und der Gleichstellung.
Ab 2027 sind Schwangerschaftsabbrüche von Beginn an von Franchise und Selbstbehalt befreit. Das ist richtig. Widersprüchlich ist aber, dass die Verhütung, die ungewollte Schwangerschaften verhindert, weiterhin selbst bezahlt werden muss.
Die Kantone handeln bereits: Neuenburg hat 2025 kostenlose Verhütung für unter 30-Jährige beschlossen, in Freiburg wurde ein entsprechender Vorstoss eingereicht, und Genf hat am 27. September 2026 die Initiative der SP für kostenlose Verhütung für die ganze Bevölkerung angenommen. Ob sich jemand sichere Verhütung leisten kann, darf nicht vom Wohnort abhängen. Es braucht eine nationale Lösung.
Quelle: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, abgerufen am 28.10.2026. Rohdaten
Keine amtliche Veröffentlichung. Namen, Zahlen und die Texte der Abstimmungen stehen unverändert so, wie die Parlamentsdienste sie veröffentlichen.
