Parlament / Geschäfte / 26.4576
Sicherstellung der Versorgung mit menschlichen Geweben für Transplantationen: Welche nationale Strategie für die Schweiz?
eingereicht am 02.10.2026 in der Herbstsession 2026Erstrat: NationalratEingereicht (02.10.2026)
Weg durch die Räte
Die Beschlüsse der Räte und Kommissionen, im Wortlaut der Parlamentsdienste.
Noch kein Beschluss eines Rates oder einer Kommission.
Eingereichter Text
Die Transplantation von menschlichen Geweben wie Hornhäuten, Herzklappen, Blutgefässen, Knochen, Haut und Amnionmembranen ist für viele Patientinnen und Patienten die beste therapeutische Option. Die vom BAG veröffentlichten Zahlen zeigen jedoch, dass der Bedarf in der Schweiz steigt, während die Gewebeentnahmen zurückgehen. Zwischen 2018 und 2024 nahmen die Gewebetransplantationen um 30% zu, die Entnahmen hingegen um 18% ab. Dadurch stiegen die Gewebeimporte um 60%. Heute werden jährlich über 1'000 Gewebe importiert, um rund 1'700 Transplantationen zu ermöglichen.
Der Swisstransplant-Lagebericht 2026 zeigt, dass die Importabhängigkeit die Versorgungssicherheit gefährdet. Die Covid-19-Pandemie und der Unfall von Crans-Montana haben die Verletzlichkeit der Lieferketten aufgezeigt. Zudem könnte die ab 2027 in Kraft tretende europäische Verordnung über Substanzen menschlichen Ursprungs (SOHO), welche die Anforderungen an Qualität und Rückverfolgbarkeit harmonisiert, den Zugang der Schweiz zu importierten Geweben erschweren.
Während mehrere Nachbarstaaten ihre Autonomie durch nationale Strategien stärken, sollte auch die Schweiz im Einklang mit dem vom BAG anerkannten Leitfaden des Europarates zur Qualität und Sicherheit menschlicher Gewebe eine höhere Selbstversorgung anstreben. Der Bericht hält fest, dass die Gewebespende zwar im Transplantationsgesetz verankert ist, jedoch weder über eine strukturierte nationale Koordination noch über eine zweckgebundene Finanzierung verfügt. Vorhandenes Fachwissen bei Swisstransplant und in den Spendenetzwerken wird bislang nicht ausreichend genutzt.
Vor diesem Hintergrund wird der Bundesrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:
• Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die zunehmende Abhängigkeit von Gewebeimporten ein Risiko für den Zugang der Bevölkerung zu diesen Therapien darstellt?
• Welche Massnahmen will er ergreifen, um die Gewebespende in der Schweiz nachhaltig zu stärken und die Selbstversorgung zu fördern?
• Ist er bereit, gemeinsam mit den Kantonen, dem BAG, Swisstransplant und den betroffenen Akteuren im Rahmen der nationalen Gesundheitspolitik eine nationale Strategie mit entsprechender Roadmap zu erarbeiten, insbesondere im Hinblick auf das Inkrafttreten der SoHO-Verordnung?
Quelle: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, abgerufen am 21.10.2026. Rohdaten
Keine amtliche Veröffentlichung. Namen, Zahlen und die Texte der Abstimmungen stehen unverändert so, wie die Parlamentsdienste sie veröffentlichen.
