Hitzewellen und geschlechtsspezifische Ungleichheiten: Für eine evidenzbasierte Prävention
подано 30.09.2026 на сесії «Herbstsession 2026»Перша палата: Національна радаStellungnahme zum Vorstoss liegt vor (28.10.2026)
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Поданий текст
Die Daten sprechen eine klare Sprache: Hitzewellen wirken sich auf Frauen und Männer unterschiedlich aus. In Europa starben im Sommer 2022 hitzebedingt 61'672 Personen. 56 Prozent und damit überdurchschnittliche viele waren Frauen, vor allem Frauen von 80 und mehr Jahren (Ballester et al., Nature Medicine, 2023); in der Schweiz erfasste die Universität Bern im gleichen Zeitraum 623 Todesfälle, wobei ältere Frauen am stärksten gefährdet waren. Mehrere Studien (Sanz-Barbero et al., 2018; JAMA Psychiatry, 2023) belegen zudem einen Anstieg von häuslicher Gewalt und Femiziden nach einer Hitzewelle. In der Schweiz gibt es keine Untersuchung zu diesen unterschiedlichen Auswirkungen, obwohl die Daten dafür vorliegen.
Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:
• Verfügt der Bund über eine nach Geschlecht aufgeschlüsselte Analyse der Auswirkungen von Hitzewellen? Wie erklärt der Bundesrat diese aggregierte Übersterblichkeit, wenn man bedenkt, dass jüngere Männer davon relativ stärker betroffen sind, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus für ihre Empfehlungen?
• Die erwähnten Studien belegen einen Anstieg häuslicher Gewalt nach einer Hitzewelle. Hat der Bundesrat untersuchen lassen, ob sich in der Schweiz ein ähnlicher Zusammenhang feststellen lässt, und plant er, diesen in die im November 2025 gestartete nationale Präventionskampagne gegen häusliche, sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt einzubeziehen? Es gibt einen Präzedenzfall: Im März 2025 unterstützte der Bundesrat ein Postulat zur Einführung einer nationalen Femizidstatistik.
• Unabhängig vom Ergebnis dieser Analyse: Hält er es angesichts der europäischen Daten bereits jetzt für gerechtfertigt, das Hitzerisiko in die Bewertungsinstrumente der kantonalen Polizeibehörden einzubeziehen, das Gewaltrisiko in Hitzewarnungen zu erwähnen und die Kapazitäten der Notunterkünfte während Hitzeperioden vorausschauend zu planen?
• Beziehen die kantonalen Hitzewellenpläne und die Strategie «Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz» eine geschlechtsspezifische Risikoanalyse mit ein – einschliesslich der Risiken für die reproduktive Gesundheit (Frühgeburten, Totgeburten), die durch eine Metaanalyse von 70 Studien belegt ist (Chersich et al., BMJ, 2020)? Und tragen sie einer geschlechtsspezifischen Perspektive auf die sozialen Rollen Rechnung, die Frauen und Männer unterschiedlich gefährden?
• Inwieweit wird dem erhöhten Risiko von Gewalt und Isolation bei Frauen in prekären Lebensverhältnissen – alleinlebende ältere Frauen oder alleinerziehende Mütter –, die in für Hitze ungeeigneten Wohnungen überrepräsentiert sind, Rechnung getragen?
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Позиція Федеральної ради
1. Wie in der Antwort des Bundesrats auf 26.4138 Interpellation Gysi Barbara «Gendermedizin und Hitze» dargelegt, liegt das wöchentliche allgemeine Mortalitätsmonitoring (MOMO) des Bundes, das Hinweise auf eine Übersterblichkeit in Hitzeperioden gibt, nicht nach Geschlechtern getrennt vor. Die ergänzenden retrospektiven Analysen zur hitzebedingten Sterblichkeit des Bundes zeigen jedoch eine höhere Sterblichkeit bei Frauen: Im Sommer 2025 entfielen 60 % der auf die Hitze zurückgeführten Todesfälle auf Frauen. Der Anteil der hitzebedingten Todesfälle an der Gesamtsterblichkeit betrug bei den Frauen 1.8 % und bei den Männern 1.2 %. Es gibt diverse Gründe für die Übersterblichkeit bei insbesondere älteren Frauen, beispielsweise schwitzen sie weniger oder sind häufiger von Demenz- und Alzheimer-Erkrankungen betroffen. Die Verhaltensempfehlungen des Bundes bei Hitze fokussieren auf diverse Risikofaktoren, die in der Kombination die gesundheitlichen Risiken der Hitze erhöhen. Die Komplexität von Vulnerabilitätsfaktoren zeigt auch der Fachbericht des Bundes zu Vulnerabilitäten gegenüber dem Klimawandel, der im Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Entsprechend sind an sehr heissen Tagen gezielte und auf die Situation abgestimmte Unterstützungs- und Präventionsmassnahmen erforderlich.
2. und 3. Der Bundesrat hat bisher keine Analysen zum Zusammenhang von Hitze und häuslicher Gewalt machen lassen. Die nationale Präventionskampagne «Gleichstellung verhindert Gewalt» sensibilisiert für verschiedene Ursachen und Anzeichen von häuslicher, sexualisierter und geschlechtsbezogener Gewalt. Wie in der Antwort zu 26.4078 Interpellation Schmaltz «Hitzeschutz muss auch vor Gewalt schützen» dargelegt, ist der Bundesrat bereit zu prüfen, wie die Schnittstellen zwischen Gewalt und Hitze besser in den laufenden Aktivitäten verankert werden können.
4. Wie in seiner Antwort zu 26.4138 Interpellation Gysi Barbara dargelegt, anerkennt der Bundesrat das Geschlecht als Risikofaktor für die gesundheitlichen Auswirkungen bei Hitze und berücksichtigt geschlechtsspezifische Aspekte in seinen Arbeiten angemessen.
5. Der Bundesrat anerkennt, dass die Wohnsituation Risikofaktoren gegenüber Hitze verstärken kann, wie auch der oben erwähnte Fachbericht zu Vulnerabilitäten gegenüber dem Klimawandel festhält. Oft ist es aber nicht ein isolierter Faktor, wie beispielsweise das Geschlecht, sondern die Überlagerung von mehreren Merkmalen, die eine Person vulnerabel macht.
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Джерело: Parlamentsdienste der Bundesversammlung, Bern, дата звернення: 29.10.2026. Необроблені дані
Це не офіційна публікація. Імена, цифри й тексти голосувань наведено без змін – так, як їх публікують Парламентські служби.
